Das deutsche Chemie Museum Merseburg

Kurzinfo: Das deutsche Chemie-Museum Merseburg ist seit 1993 im Technikpark angesiedelt. Als einziges seiner Art in Europa vereint es die Merkmale eines Science Centers, eines Museums sowie einer Sammlung originärer Anlagen und Apparate der chemischen Industrie des 20. Jahrhunderts. Somit wird durch technische Sachzeugen die Entwicklung der chemischen Industrie in der mitteldeutschen Chemieregion dokumentiert und für interessierte Besucher zugänglich gemacht.

Seit 1996 werden im Science Center die Schülerprojekte "Chemie zum Anfassen" und "Technik begreifen" gemeinsam mit der Hochschule Merseburg (HS) realisiert. Diese Projekte sind neben dem Technikpark gegenwärtig die zweite Säule des dchm.

Öffnungszeiten:
April bis Oktober:

 

Dienstag - Freitag 10.00 - 15.00 Uhr

 

Sonnabend, Sonntag, Feiertage 10 - 17.00 Uhr

 

Montag Ruhetag

Sonderführungen ganzjährig nach Vereinbarung. Verwenden Sie zur schnellen Anmeldung einfach unser Anmeldeformular .Der Besuch des Museums ist kostenfrei. Eine Spende lehnen wir nicht ab.

Rundgang durch das Deutsche Chemie-Museum

Der Eingangsbereich des Technikparks (1)  wird durch eine repräsentative Sammlung von Pumpen und Kompressoren geprägt. Pumpen und Kompressoren sind so etwas wie das Herz einer chemischen Industrieanlage, sie vermitteln die Stoffströme fluider Medien und ermöglichen das Arbeiten bei erhöhten Drucken. Die einzelnen Exponate waren in industriellen Anlagen integriert, die teilweise von besonderer Bedeutung für die Entwicklung der chemischen Industrie waren (z. B. in Erstanlagen der Synthese von Caprolactam, von Sulfochloriden oder von Butylöl aus Synthesegas).

Die Kompressoren- und Pumpenstrasse führt direkt zu den das Nordfeld des Technikparkes überragenden beiden roten Backsteinbauten (2). Hier sind die wohl bedeutendsten Exponate des Technikparkes zu sehen: Eine im lauffähigen Zustand erhaltene große Umlaufpumpe und eine komplett rekonstruierte Ammoniak-Synthesekammer; beide aus den Anfangsjahren der technischen Synthese von Ammoniak nach dem Haber-Bosch-Verfahren. Der Reaktor in der Ammoniak-Synthesekammer weist die für die erste Generation der Ammoniakrektoren typischen "Bosch-Löcher" auf.

Die konstruktive Gestaltung einer Reaktorwand mit derartigen "Bosch-Löchern" ist an einem aufgeschnittenen Reaktorfragment demonstriert. Die erstmals von Haber vorgeschlagene Rückführung unumgesetzter Synthesegase ohne Zwischenentspannung wurde in dieser Synthesekammer über eine Maulwurfpumpe realisiert. Solche Maulwurfpumpen mit Elektromotor und Turbokompressor in einem gemeinsamen Hochdruckmantel wurden in den 1920er Jahren entwickelt.

Verglichen mit diesen Maulwurfpumpen erscheinen die ersten im Haber-Bosch-Verfahren eingesetzten Kreislaufkompressoren wie wahre Dinosaurier. Ein solcher Kreislaufkompressor, gemeinsam mit der als Antriebsaggregat benutzten 650 PS Gleichstromdampfmaschine, ist in dem benachbarten Pumpenhaus untergebracht. Der einstufige stehende Kolbenverdichter (Baujahr 1925) hat eine Höhe von 8,5 m und eine Förderkapazität von 100.000 m3/h. Carl Bosch hat Aufbau und Besonderheiten des Kompressors in seinem Nobelpreis-Vortrag (1931) ausführlich beschrieben. Zum Anfahren der Dampfmaschine diente eine kleine Schaltmaschine. Diese Schaltmaschine kann hier im Museum mit Druckluft betrieben werden, so dass es möglich ist, den Anfahrvorgang der gesamten Verbundmaschine - Umlaufverdichter und Dampfmaschine - zu demonstrieren.

Mess- und Bedienelemente für eine Ammoniak-Synthesekammer waren innerhalb eines örtlichen Bedienganges, zu einer Spindelwand, zusammengefasst. Eine solche rekonstruierte historische Spindelwand ist an der Westseite der Ammoniak-Synthesekammer (gegenüber dem Eingang zum Kompressorhaus) gezeigt.

Der Rundgang führt nun weiter -; vorbei an der Kohlebreipresse (3) , einem technischen Sachzeugen aus der Kohlehydrierung - zu einer Plattform, auf der wichtige Aggregate der Synthesegaserzeugung (4) im klassischen Haber-Bosch-Verfahren zusammengestellt sind: Laufzeug eines Hochdruckkompressors, Peltonturbine, Kupferlaugepresspumpe. Auf dieser Plattform sind auch Einsätze für den Ammoniakreaktor ausgestellt. Eine letzte Reinigung des Synthesegases unmittelbar vor den Synthesereaktoren erfolgte in einem Hochdruckvorofen (Methanisierungsrektor). Das Fragment eines solchen Hochdruckofens (5) enthält auch noch Reste des eingesetzten Katalysators. Die daneben aufgestellten Traversen dienten in Verbindung mit dem Laufkran zur Handhabung der schweren Hochdruckreaktoren.

Vom Aussichtspunkt (6), dem Schieberhügel, erhält der Besucher einen ersten orientierenden Überblick über die Exponate auf dem Südfeld des Technikparkes. Im Uhrzeigersinn sind dies: Aggregate der Wasserwirtschaft in der chemischen Industrie, ein Kratzkühler zur Entparaffinierung von Erdölfraktionen, eine Mischanlage, eine Erdgasübernahmestation, eine fast vollständige historische Anlage zur Synthese von Zeolithen (Molsiebe), Beispiele für die Anwendung der Niettechnik, Aggregate der Mechanischen Stofftrennung (Siebe, Filterpressen, Mahlgeräte), Reaktoren sowie Aggregate zur Herstellung von Polyvinylchlorid (Suspensionsverfahren), zur Elektrosynthese von Calciumcarbid und für die Hochdruckpolymerisation von Ethylen. Ein für den Schienentransport benutzter historischer Chemiezug sowie verschiedene Typen von Wärmeübertrager runden das Bild ab.

Der Rundgang führt nun zur Sonnenuhr (7). Auf dem Zifferblatt dieser auf Merseburger Ortszeit geeichten Sonnenuhr sind verschiedene Rührer und Rührwerke angeordnet, als Zeiger dient ein 8 m hoher Korbrührer. Der benachbarte Komplex Chloralkalielektrolyse (8) zeigt die auch heute noch für die Chloralkalielektrolyse eingesetzten Typen der Elektrolysezellen: Amalgamzelle, Diaphragmazelle und Membranzelle. Die Kautschukbandmaschine (9) ist ein Sachzeuge aus der Produktion von synthetischem Kautschuk in den Buna-Werken Schkopau.

Durch Einführung der Emulsionspolymerisation und der Copolymerisation (mit Styrol bzw. Acrylnitril) konnten hier erstmals synthetische Allzweckkautschuke erhalten werden. Aus diesem Produktionsstrang entstammt auch die im Museum gezeigte Destillationsanlage (10). Die hier rekonstruierte Anlage (gemeinsam mit Messwarte, peripheren Einrichtungen und Kolonneneinsätzen) demonstriert in anschaulicher Weise wesentliche Aspekte des technischen Aufbaus von Destillationskolonnen. Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Einführung synthetischer Kautschuke spielte das jetzt im Museum zu besichtigende Kautschuk-Prüflabor (11) der Buna-Werke Schkopau, das hierher ins Museum umgesetzt wurde.

Am Ende des Rundgangs durch den Technikpark steht das Modell eines Lüfterrades (12), das 1979 auf der Leipziger Messe ausgestellt war. Solche Lüfterräder waren vom Chemieanlagenbau Grimma speziell für Rückkühlwerke in Erdöldestillations-Anlagen in der damaligen UdSSR entwickelt worden.

Vertiefende Einzelheiten zu den oben genannten sowie zu vielen weiteren hier im Museum gezeigten Exponaten vermitteln die entlang des Rundganges aufgestellten Informationstafeln, oder können dem gedruckt vorliegenden - Museumsführer durch den Technikpark - entnommen werden. Zu Auskünften, Erklärungen und Führungen steht auch gerne das Museumspersonal (im Infopunkt) zur Verfügung.

 

Deutsches Chemie-Museum Merseburg
c/o Hochschule Merseburg
Geusaer Straße
06217 Merseburg

 

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Redaktion: Arnold Hirsch

Quelle: Deutsches Chemie-Museum Merseburg

Fotos: Deutsches Chemie-Museum Merseburg

 

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