Der Sixti Wasserturm und die Wasserversorgung in Merseburg


Fotos Kathleen Brehme

Um 1880 wurde erstmals die Frage erörtert, ob und wie die Haushalte der Stadt Merseburg mit einem System von Wasserleitungen versorgt werden können. Die Planungen wurden in den 1880er Jahren auf kommunaler Ebene vorangetrieben, da auch seitens der Merseburger Bevölkerung ein diesbezügliches Interesse bestand. Eine Umfrage im Jahr 1887 ergab, dass 645 Haushalte mit Wasser versorgt werden wollten.

Foto Herr Recknagel


Fotos Kathleen Brehme

Für die Funktionalitäten des Wasserversorgungssystems war ein Wasserturm erforderlich. Der Turm der alten St. Sixti Ruine sollte zum Ausbau verwendet werden. Ebenfalls erforderlich war die Abtragung der nahe gelegenen Stadtmauern. Das Stadtviertel St. Sixti sollte damit für den allgemeinen Verkehr geöffnet werden. 1887 wurde der Ingenieur Pfeffers aus der Stadt Merseburg mit dem Wasserwerkbau beauftragt. Die Kirchengemeinde St. Martini, als Eigentümerin der Sixti-Kirche samt Grundstück, verkaufte daraufhin im Jahr 1880 die heruntergekommene Kirche St. Sixti samt dem dazugehörigen Kirchturm zu einem Preis von 1250 Mark. Auch die preußischen Ministerien erhoben keine denkmalspflegerischem Bedenken gegen die nun geplante Nutzung des Kirchturmes.

Der Architekt Hugo Wrede wurde mit der architektonischen Umgestaltung beauftragt. Der Maurermeister Karl Günther aus Merseburg hatte die Maurerarbeiten am zukünftigen Wasserturm übernommen. Neben den vorgenannten Arbeiten wurde der Turm neu eingedeckt. Die Fertigstellung des Wasserwerkes erfolgte 1890 und die ersten Einwohner Merseburgs konnten mit Trinkwasser versorgt werden.

Foto Herr Recknagel

Die Nutzung der öffentlichen Brunnen war somit entbehrlich. Anstelle der Brunnen traten öffentliche Zapfstellen, so genannte Druckständer, die zur Wasserentnehme bereit standen, neu installiert in der Schmalen Straße, an der Kinderbewahranstalt Auf dem Sand, auf dem Neumarkt, in der Unteraltenburg und am Gasthaus zum Ritter Sankt Georgs vor dem Teichmannschen Hause in der Georgsstraße. Die Kosten für den Wasserturm wurden weit überschritten.

Fotos Herr Recknagel

Der Tod des deutschen Kaisers Friedrich III. im Dreikaiserjahr 1888 veranlasste die Stadtverwaltung, dem Verstorbenen ein Andenken zu setzen. Der Wasserturm erhielt den Namen Kaiser-Friedrich-Turm. Weiterhin sollte die Westseite des Turms mit dem Reliefsporträt des Kaisers versehen werden. Steinmetzmeister Donnerhack aus Weißenfels und der Berliner Bildhauer Uphues wurden mit der etwa 13.000 Mark teuren Realisierung beauftragt. Die Westseite des Turmes wurde mit zwei flankierenden Bronzelöwen versehen und im Juli 1893 fertig gestellt.

Redaktion: Harry Günther

Fotos: Herr Recknagel

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